Weil Weihnachten, die Zeit in der wir uns gegenseitig beschenken naht, kann dich diese Geschichte unserer Tempelschwester Sariah vielleicht inspirieren. Folgende Episode ereignete sich in Los Angeles vor einigen Monaten, als sie ihren Sohn besuchte.
...spät am Abend fanden wir uns in einem Fastfoodrestaurant wieder, mitten in der Stadt, am Rande von Skid Row (dem Drogenviertel von Los Angeles). Während ich im Auto wartete, rannte er über eine vierspurige Strasse, um sein Ziel zu erreichen. Auf dem Gehsteig vor ihm stand ein Obdachloser, höchstwahrscheinlich drogensüchtig, der darauf wartete, Geld für seinen nächsten Schuss zu bekommen oder wenigstens etwas, um seinen Magen zu füllen mit der einzigen täglichen Mahlzeit.
Als ich im dunklen Auto an dieser hellbeleuchteten einsamen Strasse wartete, sah ich diesen heimatlosen Mann auf mein Auto zukommen. Er hielt direkt vor meiner Fahrertür und stand dann einfach dort. Diese Person war größer als ich, hatte ein anderes Geschlecht als ich, eine andere Hautfarbe, sooo anders, als ich... die Wege ging, die ich normalerweise niemals betreten würden … und hier waren wir nun. Er war so nahe, dass ich ihn hätte berühren können, wenn ich mein Fenster geöffnet hätte. Ich nahm einen Atemzug und erlaubte diese Erfahrung in mich aufzunehmen und ich fühlte nach Innen, ob da eine Reaktion war... aber da war keine Angst, sondern einfach nur eine wache Gegenwärtigkeit für das, was im Moment geschah. Ich habe ihn nicht angeschaut, fühlte aber seine Präsenz ganz nahe bei mir.
... plötzlich ändert sich die Energie und ich fühle seine Wachheit und Power ansteigen, während mein Fokus wieder zur Strasse gezogen wird, weil ein anderer grosser Mann auf mein Auto zugeht... ich beobachte und fühle und bin Zeuge... der Mann an meiner Seite steht da, gross und standhaft, und er grüßt den neuen Fremden, und nachdem sie ein paar Worte miteinander geteilt haben, geht der Andere wieder seines Weges. Ich atme. Ich schaue zu diesem Mann. Er lächelt... sanft, warm, stolz. Kurz danach, was mir erscheint, als seien Stunden vergangen, kommt mein Sohn und springt ins Auto. Und der Mann geht von dannen.
So sage ich zu meinem Sohn, da sind komische Dinge passiert während du weg warst. Und ich erzähle ihm, was passiert war.
Als ich beendet hatte, sagte er zu mir, “Mom, als ich über die Strasse rannte, merkte ich, dass ich diesem Mann die zwei Dollar aus meiner Tasche geben muss. Und als ich ihm das Geld gab, zeigte ich ihm mein Auto auf der anderen Straßenseite und bat ihn, auf meine Mutter aufzupassen, während ich nicht da war.”
Dieser gute Mann stand die ganze Zeit still bei mir und verdiente sich diese zwei Dollar. Ist das das Ende der Geschichte? Ich bezweifle das. Was wirklich geschah, war, dass ein junger Mann das Geschenk des Respektes und der Akzeptanz jemandem gab, der älter war. Ein Mensch verbindet sich mit einem anderen in VERTRAUEN ungeachtet von äußerem Erscheinen und äußeren Umständen. Ob diese zwei Dollar seinem Bauch oder seiner Sucht gedient haben, ist ohne Bedeutung... was den Unterschied macht, ist, dass diesem Mann für einen Moment Respekt und Wert anerkannt wurde für sein Da-Sein auf dieser geliebten Erde und seinem einzigartigen Platz in dem grossen Ganzen.
Und es war sogar viel bedeutungsvoller, denn ein gleicher Austausch fand statt … ein wertvoller Moment des Lernens in dem Tanz des Gebens und Nehmens. Wer hat mehr bekommen? Der Mann mit den zwei Dollars und einer Dosis Respekt? Mein Sohn, der eine weitere Möglichkeit bejahte, Mitgefühl und Gleichheit zu leben und die Freude menschlicher Begegnung zu haben?
Oder etwa ich, die Schutz von zwei männlichen Wesen bekam, die die Erfahrung machen durfte, dass ihre Weiblichkeit geehrt wurde und die persönliche Gelegenheit bekam, Liebe und nicht Angst zu sehen?
Oft wird gesagt, dass unsere Kinder unsere größten Lehrer sind. Diese Wahrheit hat sich für mich tausende Male und mehr erwiesen. Diese kleine Episode ist einfach nur eine Erinnerung an unsere Fähigkeit die Löcher im Gewebe unserer collectiven Existenz zu stopfen, … denn jeder Kontakt, den wir machen von einem Menschen zum anderen, zählt sosehr!
Der Tropfen fiel in den Teich und erschuf kleine Wellen, aber diese dehnen sich ins Unendliche aus.
Es ist mein Gebet und Anliegen für uns alle, dass wir dieser Tropfen sind, während wir auf dieser Erde wandeln und uns mit allem Leben verbinden mit jedem Atemzug und jedem Schritt, den wir tun...
Namaste (Gott in mir verneigt sich vor Gott in dir), Sariah...:)
|